Natur rund um unseren Ort

Seit Urzeiten fließt die Gaule von Süden kommend durch unser anmutiges Tal. Fast in der Mitte des Dorfes stellt sich ihr aber ein flacher Berg (Lindelberg, Schulberg 255m hoch), aber mit einem richtigen Steilhang entgegen. Die Gaule umfließt ihn, ein kleines Sumpfgebiet bildend, am Ende aber - nach Aufnehmen eines schmalen Bächleins vom Grunde her, der Gründelbach heißt, sich nach Nordosten wendend und mit anderen Gewässern ruhig weiterfließend der Ostsee zustrebend.

Gauleabsturz
Gauleabsturz

Die Gaule wird auch Goldbach genannt. Sie entspringt - besser: bildet sich - am Südende von Dittersbach a. d. E., dicht an der Flurgrenze zu Schlegel. Die Gaule durchfließt Dittersbach und Kiesdorf, floss ehemals an Tauchritz vorbei und mündete nach 14,4 km nordöstlich von Hagenwerder in die Pließnitz und mit ihr nach weiteren 0,4 km in die Neiße. Von beiden Seiten fließen der Gaule kleine Bäche aus den Fluren zu. Gelegentlich führt sie vernichtendes Hochwasser (1880!). Früher zweigten in Kiesdorf 3 Mühlgräben von der Gaule ab. Einst lebten viele Forellen in dem Bach. Durch sich weiter verbessernde Wasserqualität wird dieser Zustand bald wieder erreicht sein. 1959 griff der Mensch verändernd in den Gaulelauf ein. Sie mündet nunmehr nach nur 7,8 km über einen künstlichen Wasserfall (Gauleabsturz) in die Pließnitz.

Immer wieder waren die Leute aus den verschiedensten Gründen gezwungen, von dem einen Ufer der Gaule ans andere zu gelangen. Ein immer wiederkehrender Grund war sicherlich der Gang oder die Fahrt zur Mühle. Da musste man früher einfach durchs Wasser. Gesucht wurde dazu eine seichte Stelle, eine Furt. Eine solche Stelle befand sich an der Gaule im Niederdorf, um zur Jäckel-Mühle zu gelangen. Ebenfalls eine Furt muss auf dem Wege von Bernstadt nach Ostritz gelegen haben, am alten Gasthaus "Zum Lamm" im Oberdorf (Obere Straße 6). Dies waren aber keinesfalls die einzigen Furten in Kiesdorf. Im 18. Jahrhundert sind Übergänge über die Gaule mittels gelegter Steine anzunehmen, sogenannte Steindeckerbrücken. Eine solche befindet sich noch im Niederdorf in der Dorfstraße Nr. 80.

Steindecker Brücke
Steindecker Brücke
Steg über die Gaule
Steg über die Gaule

Sie wird aber heute kaum noch benutzt. Vom Grundstück Dorfstraße 68 aus ist die Gaule über einen Steg, einen einzelnen Steindecker, zu überqueren.

So gelangte man früher von diesem Grundstück aus in die ehemalige Kleine Seite, jetzt Auengrund. Erst nach 1850 wurden einige Brücken über die Gaule gemauert, die aber alle durch das verheerende Hochwasser vom 14. Juni 1880 weggerissen und danach neu gebaut werden mussten. Heute sind die wichtigen Brücken in der Dorfstraße tragfähige und standsichere Stahlbetonbrücken.

Der Westhang unseres flachen Gauletales trägt gewissermaßen am Übergang zu einem ebenen Gelände eine Straße, als Weg sicher schon mehr als 1000 Jahre alt. Sie bildet die Flurgrenze zu den Nachbarn Bernstadt, Altbernsdorf und Schönau-Berzdorf. In etwa 1,5 km Entfernung erheben sich dann die Schönauer Hutberge, ein Sattelberg mit 302 und 309 m Höhe. Der Osthang unseres Tales geht auch bald in ebenes Gelände über, den aber eine Hügelkette begrenzt, hinter der dann die Ostritzer, Leubaer und Tauchritzer Flurgrenze verläuft. Der Osthang wird etwa in Dorfmitte durch den hereinkommenden Grund mit dem Gründelbach zerschnitten. Dieser bildet sich in der Fläche von Ostritz her und hat sich nahe an Kiesdorf recht tief in den Hang eingeschnitten, an Ende ziemlich stark bewaldete Hänge aufweisend. Hier ist die große Lausitzer Granitplatte sichtbar. Am östlichen Eingang bildet der Grund eine ansehnliche Wiese. Hier wurde der Bach 1970 verrohrt, so konnte ein Sportplatz entstehen, allerdings ohne Standardmaße, als Festplatz aber immer geeignet. Am Hang zum Niederdorf hin befindet ein alter Granitsteinbruch, längst nicht mehr genutzt, der aber eine schöne Freilichtbühne ergeben könnte. Auch der Hang zum Oberdorf hin weist eine steinbruchartige Stelle auf. An seinem Fuße ist der Gründelbach zu einem kleinen Fischteich gestaut. Im Anschluss an den schon erwähnten Sportplatz befindet sich ebenfalls ein Fischteich, in dem sich Karpfen halten. Auch er gehörte zum ehemaligen Lehngut.

Man sagt, die Pließnitz käme vom Kottmar her. Aber an seinem Osthang entspringen nur ihre Quellbäche. Vor allem ist es der Petersbach. Er vereinigt sich mit dem Berthelsdorfer Wasser und bildet ab Rennersdorf die Pließnitz. Ursprünglich floss die Pließnitz durch das Berzdorfer Braunkohlenbecken und - 400 m zuvor die Gaule aufnehmend - dann in die Neiße. Mit dem fortschreitenden Braunkohleabbau machte sich eine Verlegung der Pließnitz notwendig. Sie wurde ausgangs von Schönau a. d. E. in Richtung Kiesdorf verlegt und 1959 begonnen.

8 Millionen m³ Erd- und Felsmassen mussten bewegt werden. Die Länge des neugeschaffenen Pließnitztales beträgt 6,3 km. Ein künstliches Tal wurde angelegt, bis 42 m tief. Über 3 Jahre dauerten die Bauarbeiten. Ab 30.12.63 floss dann die Pließnitz in ihr neues Bett.

Der Quärgelberg (Höhe 302m)
Der Quärgelberg (Höhe 302m)

Die schon erwähnte Hügelkette nach Osten hin beginnt mit 2 leichten Erhebungen ohne Baumbestand. Die südlichste war wohl einst ein Windmühlenberg, liegt aber schon auf Dittersbacher Flur. Es schließt sich der Kieferberg (209 m) an, im Dorf aber meistens als Kiefernbusch bezeichnet. Der Name rührt wohl vom Aufwuchs her, der durchaus nicht ursprünglich sein muss. Das hier anzutreffende ausgedehnte Himbeergesträuch dürfte seinen Ursprung in einer Anpflanzung haben, die vom damaligen Lehngut angelegt worden war. Es folgt der Quärgelberg, 302 m hoch.

Auf alten Darstellungen wird er auch Nieseberg genannt. Hier kommen gratähnlich imposante Basaltsäulen zum Vorschein, in die sich auf der Südseite ein Steinbruch hineingedrängt hat. Nun schließt sich eine Erhebung von 287 m an, die aber auf allen Karten ohne Bezeichnung ist. Der Aufwuchs besteht vorwiegend aus Fichten und Kiefern, aber auch aus Laubbäumen. In den jüngsten Beschreibungen taucht für diese Erhebung der Name Geröllberg auf. Der letzte Hügel ist der Steinberg mit 266 m Höhe. Seine Bewaldung ist lichter Eichenbestand. Auch hier hatte sich einst ein Steinbruch aufgetan. Der aber verkam mehr und mehr zur Müllkippe, schließlich auch offiziell deklariert. Nach 1990 wurde die Fläche beräumt, abgedeckt und rekultiviert. Die genannten Erhebungen bilden allesamt Flächennaturdenkmale und sind geschützt. Zu den geschützten Landschaftsbestandteilen gehören noch die Gaule-Gehölze und Leupolds Büschel, direkt an der Ostritzer Straße gelegen. Die Flur beleben noch weitere kleine Buschgruppen. Nach dem Steinberg fällt das Gelände nach Tauchritz hin zum Berzdorfer Braunkohlebecken mit dem ehemaligen Tagebau ab, ein Kiesdorfer Flurstück bildend, das Kessel genannt wird. Sein Charakter als Kessel wurde noch verstärkt, nach dem die etwa 30 ha infolge der Pließnitzverlegung förmlich von der Kiesdorfer Flur abgetrennt wurden. Das künstlich entstandene Tal mit der anfänglichen Bepflanzung der Hänge hat sich in den 30 Jahren nun urwaldähnlich entwickelt. Es gehört auch zu den geschützten Landschaftsbestandteilen.

In der Kiesdorfer Flur liegen weitere Teiche. So auch Schönfelders Teich. Er gehört ins Niederdorf und liegt in dem Landstreifen, der sich an das Lehngut anschließt. Ein weiterer kleiner Teich liegt in einem Flurstück ausgangs des Auengrundes. Ein Anlieger müht sich, dem Wasserverlust des kleinen Biotops durch geeignete Maßnahmen entgegen zu wirken. Im Oberdorf haben wir Friedrichs Teich, ehemals zur Hausnummer 11 gehörend und dicht an der Ostritzer Straße gelegen. Auch hier gedeihen die Karpfen gut. So ist in unserer Flur auch wieder der Fischreiher anzutreffen. Gelegentlich unerlaubte Badegäste im Sommer müssen am Teich jedoch ernste Verwarnungen befürchten.

Die Stieleiche
Die Stieleiche

Fruchtbare Äcker finden wir in Kiesdorf. Im 14. Jahrhundert wurden Gerste, Hafer, Weizen und "Korn" angebaut. Das ist den Zinslisten der Kiesdorfer Bauern zu entnehmen, die dem Kloster gegenüber abgabenpflichtig waren. Mit Korn war Roggen gemeint. Auch Mohn, Lein und Hirse könnten angebaut worden sein, aber Kiesdorfer Bauern waren darin nicht abgabenpflichtig, niemand im Eigenschen Kreis. Um 1725 hat auch hier die Kartoffel Einzug gefunden. Sie wurde als Erdbirne bezeichnet. Nach dem II. Weltkrieg gab es in Kiesdorf lange Zeit Tabakfelder. Der Anbau wurde staatlicherseits verlangt. Probleme bereitete die Trocknung der Blätter. Einige Bauern nutzten dafür den Boden des Schulhauses. Schließlich baute dann die LPG eine Trocknungsanlage. Sie ist nun aber längst abgerissen. Seit 1987 prägt auch ein großes Hopfenfeld unser Dorfbild im Oberdorf mit. Dazu gehört auch ein großes Gebäude als Darre. Alles liegt an der Oberen Straße und genau genommen schon auf Altbernsdorfer Flur.

Markante und geschützte Bäume in Kiesdorf sind eine Stieleiche gegenüber der ehemaligen Gemeinschaftsschule, gepflanzt anlässlich des Friedensschlusses von 1871, und eine Stieleiche am Verbindungsweg nach Schönau-Berzdorf (Kirch- oder Pappelweg, gehört zur Hausnummer Dorfstraße 79). Ihr Alter wird auf 180 Jahre geschätzt. In ihrer Nachbarschaft stehen zwei ältere Kastanienbäume.

Verbreitet in der freien Natur finden wir in Kiesdorf das Maiglöckchen und im Grund noch das Tränende Herz. Geflecktes Knabenkraut ist nicht mehr nachweisbar.

Eidechsen und Ringelnattern sind nun wieder mehr anzutreffen.

Mit dem Anbringen eines Nestes auf einem nicht mehr benutzten Industrieschornstein (1997) konnte nun schon zum wiederholten Male ein brütendes Storchenpaar beobachtet werden. (Dorfstraße 44) Den Schornstein des Heizhauses der Milchviehanlage hingegen kann man gelegentlich noch rauchen sehen.

Kiesdorf verfügte nur über geringe Bodenschätze. Das Sumpfgebiet an der Gaule im Oberdorf ergab ein Torfvorkommen. Es wurde vom Lehngut ausgenutzt, war aber schon Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr ergiebig. Ebenfalls auf der Landfläche des Lehngutes zeigte sich eine Lehmlagerstätte (Obere Straße 14). Sie war 1864 Anlass zur Errichtung einer Ziegelei. Nach etwa 60 Jahren hatte sich der Rohstoff erschöpft und die Produktion erlosch. Eine flache Lehmgrube, jetzt Viehweide an der Milchviehanlage, ist noch zu erkennen. Zwischen der Lehmgrube und der Gaule gelegen, erstreckte sich ein Sandvorkommen. Darüber führte der Schäferweg. Zu beiden Seiten wurden Sandgruben aufgeschlossen, die praktisch 1992 ausgebeutet waren. Aber im Oberdorf soll noch eine Lagerstätte vorhanden sein. Ob jemals das nordwestlich des Steinberges aufgespürte Bentonit für die Industrie bedeutsam wird, ist fast ausgeschlossen.